• Shaolinzentrum Qi Lu

Kelisi`s Weg nach Shaolin

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"Mein Weg nach Shaolin begann im Rollstuhl. Er führte über die Brücke der Meditation, hin zur Wahrhaftigkeit, die sich in der Stille verbirgt. Dort liegt die Quelle von Äußerer Kraft & Innerer Stärke. Eingebettet zwischen den uralten, ehrwürdigen Lehren der Shaolin Meister, und den modernen (Neuro-)Wissenschaften."


Es war genauso, wie es Survivor im Rocky-Soundtrack Eye of the Tiger beschreiben:


“So many times it happens too fast - You trade your passion for glory – Don't lose your grip on the dreams of the past - You must fight just to keep them alive…“

Ich hatte diesen Kampf verloren, meine Leidenschaft, mich selbst, und - beinahe mein Leben. Heute lebe ich was ich bin. Kè lì sī · 克力思 · Shaolin ist mein bescheidener Versuch all das Wertvolle zu teilen, das ich erhalten habe. All das, was ich erfahren durfte und all das, was ich mir durch hartes Training und Selbstbeherrschung verdient habe. Der Bereitschaft von Shaolin Meister Shi Yan Lu, sein Wissen an mich weiterzugeben verdanke ich, dass ich noch am Leben bin, dass ich nicht mehr im Rollstuhl sitzen muss, und dass ich mittlerweile wieder in der Lage bin Dinge zu tun, die die meisten Menschen noch nicht, oder nicht mehr tun können. Aber es erfordert jeden Tag harte Arbeit und Selbstbeherrschung – physisch und psychisch.​ ​

​"Ein zentrales Problem besteht darin, dass man versucht dem Podest gerecht zu werden, auf das einen das eigene Ego stellt. Man erfüllt so lange fremde Erwartungen, bis sich die eigenen Bedürfnisse in Nichts aufgelöst haben. Das kann zu extremen Zuständen führen."

​ Begonnen hat alles damit, dass ich im Sommer 1968 auf der Insel Lindau im Bodensee geboren wurde. Nachdem sich bereits im Kindergartenalter erste Krankheitssymptome (heftige Gelenkschmerzen) bemerkbar gemacht haben, kann man meine Sozialisation – auch die Schulzeit - getrost als turbulent bezeichnen. Da war ich 6.

50% pure Langeweile, 40% Angst und 10% blanker Horror. Ich verdanke es meinen damaligen Freunden, dass ich das – einigermaßen heil - überstanden habe. Um nicht auf Hilfe angewiesen zu sein, und um mich vor den Menschen selbst schützen zu können - physisch und mental - habe ich begonnen, mich intensiv mit Bodybuilding und Kampfkunst zu beschäftigen. Gerade mit den mentalen Aspekten. Denn damals fing meine chronische Erkrankung an echte Probleme zu machen. Körperliches Training war unter diesen Bedingungen zwar wirklich heftig, aber die Ärzte waren übereinstimmend der Meinung, dass daran kein Weg vorbeiführen würde. Und dann war die Sache klar, denn in Shaolin sagt man: "Wenn du etwas machst, dann mache es mit all deiner Kraft, und mit ganzem Herzen." Da war ich 14.

Weniger gut war mein Umgang mit der aus der Krankheit resultierenden psychischen Belastung, und die Tatsache, dass ich mit extremen Mitteln versucht habe, alle durch meine Sozialisation bedingten Unzulänglichkeiten, entweder zu kompensieren und / oder zu verleugnen. Nur, um zu beweisen, das ich besser war, als die, die mir stets gesagt haben, dass ich nicht gut genug sei. Da war ich 16."But there is no lunch for free in this life!" Das sollte ich bald lernen dürfen. Denn zu dieser Zeit, wurde der Mensch, der für mich alles war was ich im Leben je wollte - mein Freund - bei einem Unfall getötet. Und mit ihm ein großer Teil von mir. Zu glauben, die Trauer und den grausamen Schmerz nicht zeigen zu dürfen, ja sogar panische Angst davor zu haben (haben zu müssen) - hatte verheerende Folgen. Dieses Versagen hat bei mir dazu geführt, dass ich maßlos enttäuscht von mir selbst war. Ich hatte Angst vor den Menschen, und vor dem, was sie mit mir machen würden, wenn sie erkennen würden, wie sehr er mir fehlt, und wie sehr ich darunter leide - dafür schäme ich mich noch heute. Das brutale Training in dieser Zeit, war dann auch weniger Vorbereitung auf die bayerische Jugendmeisterschaft im Bodybuilding, sondern vielmehr eine Bestrafung, von der ich dachte, ich hätte sie verdient.

"So schwach wollte ich nie wieder sein..."


Während meiner Ausbildung zum technischen Zeichner Maschinenbau habe ich mich dann - in Abendkursen - auf das einjährige Fachabitur vorbereitet. Obwohl noch immer unfähig zu denken, habe ich dann am Ende doch - zumindest - etwas abiturähnliches attestiert bekommen. ​ Da war ich 23. ​ Anschließend stürzte ich mich in meinen 18-monatigen Zivildienst, den ich freiwillig um sechs Monate verlängert habe. Die Arbeit mit den beeinträchtigten Menschen tat mir gut, wirkte heilend und richtungsweisend. Und, zu meiner Verwunderung, habe ich diesen Menschen auch gutgetan. Nach Beendigung meines Zivildienstes bin ich dann, mit meinem Trainingspartner und einem Freund, sechs Monate quer durch die USA gereist. Damals habe ich zum ersten Mal das Mekka des Bodybuilding - Gold`s Gym, in Venice Beach, Kalifornien - besucht, und damit hätte eigentlich alles klar sein können. Aber ich bin, entgegen allem, was mich mein Innerstes hat fühlen lassen, zurück gekommen. Nicht weil ich es wollte, sondern weil ich musste. So gut wie keine Durchblutung mehr in Händen und Füßen, und Gelenkschmerzen, dass ich nicht einmal mehr ein Glas Wasser halten konnte. Also: Vom Flughafen mit dem Notarzt direkt ins Krankenhaus, und dort direkt in den OP. Danach: Drei Monate Rehabilitation. ​ Da war ich 25. Mittlerweile war scheinbar klar, dass Computer technische Zeichner überflüssig machen würden, und so konnte ich nicht zurück in meinen alten Job. Einzige, verzweifelte Alternative zur Arbeitslosigkeit: Die Bewerbung bei der bayerischen Bereitschaftspolizei. Zum Zeitpunkt der Bewerbung war ich – trotz chronischer Erkrankung - ein 25 Jahre alter, 100kg schwerer Bodybuilder, mit 19 Jahren Kampfkunst-Erfahrung. Das Ergebnis: Auf der Bayernrangliste war ich die Nummer 2. Wie die Sache ausgegangen ist? Nicht wirklich gut, und - sie hat erhebliche Narben hinterlassen! Nachzulesen in:


„Jagdszenen in Bayern“ In: "Schwule, Lesben, Polizei - vom Zwangsverhältnis zur Zweckehe." (Hg. Jens Dobler, Verlag Rosa Winkel. 1994).

Mein Studium in Nürnberg, an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule, das ich mir mit der Arbeit als Personenschützer für Stars und Sternchen finanziert habe, habe ich sehr genossen. Sozialpädagogik, mit den Schwerpunkten Sozialmedizin und Erwachsenenbildung. Ich war Studierendenvertreter und habe die Hochschulzeitung Ohmmacht mit herausgegeben. 1999 schloss ich mein Studium mit Auszeichnung und Promotionsberechtigung ab, und ging zurück nach Lindau. Dort projektierte ich als Leiter Kommunikation - von der Konzeption bis zur Inbetriebnahme - die Schlossparkresidenz Schönbühl. Eine betreute Seniorenwohnanlage, mit Pflegekomplex und Seminarzentrum. Nach dem Abschluss dieses Projekts, im Jahr 2000, wechselte ich als stellvertretender Leiter der Weiterbildung an die Fachhochschule Vorarlberg. Und ich begann meine erste Chemotherapie. So wurde ich – in nur 18 Monaten - vom 110kg Bodybuilder, zum 51kg Pflegefall. Da war ich 32.

​Im Jahr 2001 habe ich aufgrund meiner Forschungsarbeiten im Bereich bio-psycho-soziale Medienwirkung und Neuroplastizität, ein mit 40.000 Sfr. dotiertes Doktorat-Stipendium im Fach Neuropsychologie, an der Universität für Humanwissenschaften im Fürstentum Liechtenstein erhalten. So konnte ich beim renommierten Neuropsychologen, seiner Magnifizenz Univ. Prof. Dr. Giselher Guttmann, studieren, und für ein Jahr, war ich sogar sein Assistent. Mein Doktorat-Studium im Fach Neuropsychologie, habe ich 2003 mit der Bestnote summa cum laude abgeschlossen. Kurz darauf wurde ich Professor für Psychologie und Sozialwissenschaften (Fachbereich Soziales und Gesundheit), an der Fachhochschule Vorarlberg.

Da war ich 35.

So lange habe ich auch gebraucht, um meine alte Form und Leistungsfähigkeit - zumindest annähernd - wieder zu erreichen. Und dann - damit es nicht langweilig wird - begann die zweite Chemotherapie, und halbierte mich erneut. Diesmal von 127kg auf 55kg. Da war ich 36.

Parallel war ich - seit 2003 - in eigener (non-profit) Praxis engagiert. Meine Schwerpunkte: Komplexe Stresserkrankungen und Cannabismedizin. Außerdem war ich 15 Jahre lang ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig. Als Einsatzleiter für Großschaden-Ereignisse und als Ausbilder für Notfallpsychologie, Psychotraumatologie, Krisenintervention und Rauschdrogenintoxikationen. Nach dem Suizid eines 18jährigen Jungen (Retraumatisierung: Ich war auf einen Schlag wieder 16, und mein Freund war tot ...) wurde mir schlagartig klar, dass meine Zeit schon vor langem begonnen hatte abzulaufen, und – das ich wollte, dass sie abläuft. Bis zum völligen bio-psycho-sozialen Zusammenbruch dauerte es dann, auch aufgrund meiner chronischen Autoimmunerkrankung, nur noch drei Monate. ​

Da war ich 50.

Sommer 2018 - Kurzfassung: Notfallrettung durch einen Notarzt-Kollegen, Schockraum, Reha, Rollstuhl, Invaliditätspension - die KollegInnen der Systemmedizin hatten mich aufgegeben.​ Und ich war mir nicht mehr wirklich sicher, ob ich mich nicht auch schon aufgegeben hatte.


"Leid erkennen, Leid annehmen, Leid loslassen."

Dankbarkeit, Akzeptanz, Nicht-Identifikation: Ich bin nicht dieser Körper, nicht dieser Geist, und nicht diese Emotionen. Reflexion, Kontemplation und Imagination. Ich begann meine Meditationspraxis dramatisch auszuweiten, und so verband sich der Hyperfocus des Bodybuilders, mit dem Vertrauen in den Buddha in mir. So kam die Fähigkeit und die Bereitschaft zurück, dass bevorstehende - notwendige - Leid zu ertragen. ​ Immer noch Sommer 2018: Der nächste Schritt auf dem Weg zurück zur Quelle der Kraft - das Mekka des Bodybuilding und Wohnzimmer von Arnold Schwarzenegger, Gold`s Gym, Venice Beach, Kalifornien. Ich werde niemals die Worte finden um zu Beschreiben, was in mir passiert ist, als ich mich - völlig übergewichtig, an Krücken und betäubt von Fentanyl - durch die Eingangstür geschleppt habe. Und ich würde es auch gar nicht preisgeben wollen, weil dieses Gefühl eines meiner wichtigsten Gefühle ist, und das möchte ich nur für mich behalten. Aber ich wünsche allen leidenden fühlenden Wesen, dass sie - wenn sie glauben es geht nicht mehr weiter - dieses Gefühl erfahren.

In den letzten 22 Jahren - bis heute - habe ich ca. 30 Fächer in den Bereichen Medizin, Psychologie, Gesundheit, Meditation und Achtsamkeit, Pädagogik, (mediale) Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung, an insgesamt 5 Universitäten in Österreich und Liechtenstein unterrichtet - ich wusste alles was nötig war, schließlich hatte ich einen Lehrstuhl dafür. Und dennoch konnte ich nicht verhindern, dass mir das gleiche passiert ist, wie all den Menschen, die über die Jahre meine Hilfe gesucht haben. All mein Wissen war völlig nutzlos, weil es eben nur Wissen war. Was ich gebaucht habe, war ein Mensch, der achtsam und mitfühlend war, und dem ich das auch glauben konnte. Ein Mensch, der all das verkörpert, woran ich glaube und was mir wichtig ist, und - der das auch lebt. ​

"Dieser Mensch war Shaolin Meister Shi Yan Lu."


Mit den Meistern des Shaolin Ordens habe ich mich beschäftigt, seit ich sechs Jahre alt war. Es war seither mein größter Wunsch, von einem Shaolin Meister Unterweisungen zu erhalten. Ich hätte nie auch nur im Traum daran gedacht, dass das tatsächlich möglich sein könnte. Aber dann hat mich Shaolin Meister Shi Yan Lu gefunden. Er hat mich kennengelernt als ich im Rollstuhl gesessen bin. Ich habe ihn einen ganzen Tag damit genervt, ihm in allen Einzelheiten zu erzählen, dass ich den Weg des Shaolin Kung Fu gehen werde. Gehen, nicht rollen! Er war – wie gesagt – sehr achtsam, mitfühlend und überaus geduldig, und sehr großzügig mit seiner Zeit. Er hat mich lange beobachtet und meinen Willen auf die Probe gestellt. Erst danach, nachdem ich Äußere Kraft und Innere Stärke bewiesen habe (ich habe z. B. in sechs Monaten knapp 60kg abgenommen), und, dass ich die theoretischen Grundlagen der Methoden der Meister und der buddhistischen Psychologie beherrsche, hat er mich als Meisterschüler akzeptiert. Ich war so unglaublich dankbar, dass ich KEINEN Behindertenbonus bekommen habe. Das haben mir meine Leute (ich habe mit mehrfachbehinderten Jugendlichen gearbeitet) im Zivildienst beigebracht...

Dankbarkeit, Demut, an sich glauben und - auf sich stolz sein lernen!


Mittlerweile bestehen meine Tage aus Gebet, Training, Mentaltraining und Meditation. So beherrsche ich meine Schmerzen und meine Dämonen. Außerdem tun Schmerzen nicht mehr weh. Ich bin nun einmal chronisch krank - das musste ich akzeptieren lernen. Ich habe aber auch gelernt, diesen Schmerz zu kontrollieren, und - wie ich ihn loslassen kann.


"Wirklich weh, tut nur Leid!"


Und das erschaffen wir - ganz alleine und unaufhörlich - nur in uns selbst. Durch unsere Gedanken, und durch die Gefühle, die diese Gedanken hervorbringen. Ist das Denken nicht gedeihlich, sind unsere Gefühle nicht gedeihlich. Der Weg des Shaolin Kung Fu ist der Weg, der einen Nicht-Identifikation lehrt. Denn du bist nicht dieser Körper, du bist nicht diese Gedanken und du bist auch nicht diese Gefühle. Du bist, was diese drei Dimensionen beobachtet - Bewusstsein. Oder eben: Buddha-Natur. Dieser Weg ist sehr gedeihlich, aber ebenso steinig und schwer. Shaolin Meister Shi Yan Lu würde sagen: ​

„Shaolin bedeutet Schmerz, und Shaolin Kung Fu bedeutet - harte Arbeit“.

Selbstverständlich würde ich meinem Meister nie widersprechen. Aber ich muss – basierend auf meiner Geschichte - in meiner Beschreibung weiter gehen als er. Und ich weiß, dass er das nicht nur versteht, sondern dass er es zu schätzen weiß: ​


„Shaolin bedeutet für mich Leben - Kung Fu bedeutet für mich Sinn. Den Weg des Shaolin Kung Fu zu gehen, bedeutet für mich: Leben (Shaolin) mit Sinn (Kung Fu). Durch Äußere Kraft und Innere Stärke. So erfährt man Frieden, Glück und Wohlbefinden!"

Heute lebe ich ein "monastic life", nach dem Kodex der Shaolin. Ich wohne noch immer in Lindau am Bodensee. Allerdings bin ich mittlerweile viel mit Shaolin Meister Shi Yan Lu unterwegs, und ich bin stolz, dass er mich als Teil seiner Familie betrachtet. Ich unterwerfe mich stets den gleichen Regeln, die im Kloster gelten. Nicht weil ich es müsste, sondern deshalb, weil ich von den Meistern des Shaolin Ordens lernen durfte, was man tun und wie man denken muss, um unbesiegbar zu werden.



 


 

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